Chinesischer Granit für die Getreidegasse?

Kieselpflaster
©foto: h. soyoye-rothschädl

Die geplante Pflasterung der Getreidegasse mit Granitplatten wirft wieder einmal die Frage nach einer einheitlichen Gestaltungssprache in der Altstadt auf: Historisch zeichnet sich die Altstadt durch regionale Steinverwendung aus, sowohl was Fassaden,Geschäftsportale, Poller auch als Bodenbeläge betrifft: bunte Salzachkieselpflaster, Spaltkieselpflaster, helle Gräderdecken, Plattenbeläge aus rotem Adneter Marmor, Fassaden aus Untersberger Marmor und Gollinger Konglomerat, Granitbogenpflaster aus Mühl- und Waldviertel. In den letzten 30 Jahren wurde darauf keine Rücksicht genommen: Mit dem österreichweiten Trend der Errichtung von Fußgängerzonen wurde in den 80er Jahren der braunrote Südtiroler Quarzporphyr auch in Salzburg verlegt. Im Festspielbezirk wurde gefärbter Asphalt eingesetzt. Wobei durchaus auch neue Lösungen spannend sein können: z.B. Asphalt mit Pflasterbändern oder Betondecken mit regionalem Natursteinzuschlag bzw. auch Asphalt mit Randlösungen aus regionalem Naturstein.Mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Altstadt ist jedoch ein weiterer Stilbruch zu befürchten: die geplante Verlegeart in Granit wird dem unverwechselbaren, historischen Charakter der Getreidegasse nicht gerecht sondern vermittelt 08/15 Einkaufsmeilencharme.Die Größe der durchgehenden Pflasterung (3000m2) lässt darauf schließen, dass chinesischer Granit eingesetzt wird, der den Weltmarkt aufgrund nicht vergleichbarer Produktionsbedingungen überschwemmt und damit auch österreichische Arbeitsplätze in der Steinproduktion gefährdet. Ein historischer Ort wie die Getreidegasse verlangt einfach auch eine angemessene, historische Gestaltungslösung, die auch Nachhaltigkeitskriterien bei der Materialwahl, was Produktions- und Transportbedingungen betrifft, erfüllt.

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