Ausverkauf des ländlichen Raums

Globalisierung verstärkt Siedlungsdruck auf Zentralraum

Offene Märkte und freier Warenverkehr zwingen dem ländlichen Raum global kontinuierlich die Industrialisierung der Landwirtschaft auf. In südlichen Ländern schreitet diese Entwicklung rasch voran: es entstehen Megacities mit unlösbaren strukturellen Problemen. Beispielsweise hatte Lagos/Nigeria in den 60 Jahren 700.000 EinwohnerInnen, heute liegt die Stadt bei 16.000.0000 (16 Millionen). In den Dörfern bleiben die Alten ohne soziale und kulturelle Strukturen zurück. Die Wertschöpfungsketten der Landwirtschaft (lokales Gewerbe und Handwerk, Transport etc.) werden zerstört und kosten lokale Arbeitsplätze. Die neuen StädterInnen sind entwurzelt und werden zu billiger Manövriermasse am Arbeitsmarkt. Landwirtschaft wird in immer größeren Produktionseinheiten betrieben und oftmals von westlichen oder chinesischen Betrieben übernommen, die ausreichend Ressourcen zu industrieller Agroproduktion besitzen. Nur ein Problem der „3.“ Welt? Die gleichen Tendenzen lassen sich auch in Österreich eindrucksvoll an den vom Österreichischen Städtebund veröffentlichten Zahlen ablesen: unaufhaltsam wachsen die österreichischen Städte und ihrer Peripherie und mit ihnen der Druck an motorisiertem Individualverkehr und die Preise von Wohnraum. Umgekehrt dünne ganze Regionen aus: Waldviertel, Lungau, Obersteiermark u.a. Seit dem EU-Beitritt Österreichs geben durchschnittlich jährlich etwa 4.000 land- und fortswirtschaftliche Betriebe ihre Tätigkeit auf. Nur eine konsequente Politik der Regionalisierung, die lokale landwirtschaftliche Märkte schützt, kann diese Entwicklung umkehren.

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