Jagd nicht mehr zeitgemäß

Jagd: In der Steinzeit Nahrungserwerb–heute fanatischer Freizeitsport und Statussymbol

In der Steinzeit Nahrungserwerb–heute fanatischer Freizeitsport und Statussymbol

Das Erschießen von Wildtieren darf niemals der Unterhaltung dienen. Jäger und Jägerinnen versuchen sich vergeblich als Naturschützer darzustellen. Leider geht es weder um Naturschutz noch um die Rechte der Wildtiere. Dass Artenschutz bzw. die Regulierung auch ohne Jagd möglich ist, beweisen einige Länder, wie zum Beispiel die Schweiz mit dem Genfer Modell oder Gebiete wie die Südkarpaten, wo weder gejagt noch zugefüttert wird. Dennoch weist der Wald keine Schäden wie Wildverbisse auf. 

Die Jägerschaft behauptet für das Gleichgewicht zu sorgen: 

Österreich hat die höchste Populationsdichte an Paarhufern, wie Rehe und Hirsche. Wie kommt es zu diesem Missstand? Gejagt wird hauptsächlich um Trophäen zu erbeuten.Es werden ca.70 Jungtiere getötet, um ein Tier zu erlegen mit einem besonders großen und schönen Geweih. Die Jägerschaft hilft daher nach mit der Fütterung im Winter, um möglichst viele Tiere erschießen zu können. 

Trophäenjagd und der Einfluss des Menschen

Österreich hat eine lange Tradition die Wildtiere im Winter zu füttern. Die Jäger behaupten, die Tiere wären so arm und  würden im Winter verhungern .  Mit der Fütterung der Wildtiere im Winter wurde erst Mitte des 20.Jahrhunderts begonnen. Wie haben die Rehe und Hirsche dann so lange ohne den Menschen überlebt? Die Tiere haben sich über die Evolution an den Winter angepasst und können daher mit Nahrungsengpässen auskommen. Grund dafür liegt in der Biologie: Wenig bekannt ist, dass Hirsche und Rehe in eine Art Kältestarre verfallen und so extreme Winter im Hochgebirge überleben können. Herausgefunden haben Wiener Wildtierbiologen das, indem sie den Tieren Messfühler einige Zentimeter tief unter die Haut implantiert haben – dort betrug die Körpertemperatur nur noch etwa 15 Grad Celsius und an den Beinen nicht einmal halb so viel. [Quelle: https://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/umwelt/article106767143/Hirsche-und-Rehe-verfallen-in-Kaeltestarre.html]

 Anders beim Menschen, der ursprünglich aus der Gegend des  Äquators stammt und den eigenen Körper auf 34°C halten muss. Das spart den Paarhufern sehr viel Energie im Winter. Die Tiere im Winter nicht mehr zu füttern, erhöht daher nicht die Rotwildsterblichkeitsrate [https://www.himmel.at/wp-content/uploads/2019/11/Leitner_Wildmanagement_Gailtaler_Alpen_II.pdf] . Dies beweist die Kärntner Studie von Leitner mit der Erkenntnis, dass sich das Wild an die Winterverhältnisse angepasst hat. 

Wenn das Rotwild für sein Überleben nicht das Eingreifen des Menschen braucht, warum wird dann gefüttert? Die Population wird praktisch künstlich hoch gehalten, um möglichst viele Trophäen zu erbeuten.

 Die Natur hat eine Geburtenkontrolle eingerichtet. Hirsche und Rehe pflanzen sich im Sommer fort und die Hirschkühe tragen den Embryo über dem Winter aus. Sie gebären ihre Kinder im Frühling. Wenn das Muttertier nicht die physischen Voraussetzungen mitbringt, wird sie den Embryo bzw. das ungeborene Jungtier verlieren. . Werden die Futterstellen von den Jägern ständig gefüllt und finden die Tiere daher dementsprechend mehr Nahrung  erhöht sich automatisch die Population.  Wie im Beispiel vom Angerertal kann man mit  folgenden Auswirkungen rechnen: Bei einer von den Jägern zur Verfügung gestellten Futterstelle werden 160 Rehe und Hirsche versorgt. Im Frühjahr vermehrt sich die Population auf 250 Tiere. Der “Überschuss” von 90 Tieren “muss” dann von den Jägern getötet werden.  Dies wäre alles vermeidbar, wenn der Mensch die Tiere ungestört leben lassen würde. Die Futterstellen stressen nicht nur die Tiere, weil sich zu viele Artgenossen auf engem Raum zusammen finden, sondern das Zufüttern von Menschen im Winter ist auch ungesund für die Tiere und schadet ihren Pansen.  [https://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinformationen-2019/wie-rehen-das-winterfutter-auf-den-pansen-schlaegt/]  Die Tiere verlieren zunehmend die Fähigkeit autonom zu leben, wenn der Mensch zufüttert. 

Das Füttern von Rotwild und auch von Wildschweinen schadet dem Wald und den Tieren. Den Preis für dieses wissenschaftlich nicht haltbare Vorgehen bezahlen die Tiere mit Ihrem Leben. Weshalb wird dieser Unsinn noch legitimiert? Wir fordern ein Verbot der Wildfütterung, das nur in Ausnahmefällen bei außergewöhnlichen Katastrophen temporär aufgehoben werden kann.. 

Wenn nicht mehr gefüttert wird, ist es dann noch notwendig, dass der Mensch die Bestandeskontrolle übernimmt? Tiere sind eigenständige, leidensfähige Lebewesen. Sie brutal zu töten kann nicht mit der “Ernte” von Pflanzen verglichen werden, wie die Jägerschaft das gerne tut.  Wir von DIE LINKE  positionieren uns  klar gegen die Jagd. Warum gestehen wir Tieren nicht das gleiche Recht wie Menschen zu, nämlich  an einem natürlichen Tod zu sterben? 

Statistiken: Quelle [Statistik Austria]:

Zahlen wie viele Wildtiere 2018/2019 erschossen wurden insgesamt in Österreich:

Rotwild: 54.977 , Rehwild: 284.916, , Gamswild: 20.685, Schwarz-wild: 30.542 

Sonstiges Haarwild in  Österreich Hasen 101.846 Wildkaninchen 5.986 Murmeltiere 7.566 Dachse 8.494 Füchse 61.371 Marder 21.124 Wiesel 8.321 Iltisse 3.807

Die Opferzahlen fanatischer Jägerschaft machen deutlich, dass es nicht um Bestandeskontrolle geht. Wann hört dieses endlose Massaker auf? 

Die Natur ohne Jagd: 

Eine Untersuchung des WWF belegt, dass der Bestand von Paarhufern auch ohne jegliche Zufütterung ein selbstreguliertes Gleichgewicht erreicht, ohne dabei den Wald zu schädigen. Verschiedenste andere Studien, auch internationale, haben das ebenfalls bestätigt. 

Der WWF hatte im Jahr 1994 mehrere Reviere in den Hohen Tauern gepachtet und das Jagen und das Füttern dort eingestellt. Die Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Populationsdichte ohne das Bejagen der Gebiete selbst reguliert und die Schwankungen mit dem Winter jeweils zusammenhängen. [Zitiert aus WWF Studie PDF Seite 81]. 

Auch in der Schweiz konnte die Natur sich durch die Reformierung der Jagd erholen. [https://www.zwangsbejagung-ade.de/naturohnejagd/schweizerischer-nationalpark/index.html]

Zitat:”Die Vielfalt des Lebens kann sich in großen, naturbelassenen Gebieten am besten entwickeln. Solche Gebiete sind aber selten geworden und liegen in den Alpen zerstreut und zerschnitten von menschlicher Nutzung und Infrastruktur. »Deshalb braucht es den Blick über die Parkgrenze hinaus: Kleine und große Netzwerke, Kooperationen und Verbundsysteme mindern die Folgen dieser Fragmentierung und erhalten die Lebensräume für die Arten auch außerhalb des Nationalparks.« (Atlas des Schweizerischen Nationalparks, S. 63) 

Der Kanton Genf stimmte 1974 im Rahmen einer Volksabstimmung für ein vollständiges Jagdverbot auf Säugetiere und Vögel ab. Mit überaus positiven Auswirkungen für die Natur, Tiere und die Menschen: Noch nie war die Biodiversität größer – und die meisten Wildtierbestände regulieren sich selbstständig erfolgreich.

http://www.abschaffung-der-jagd.at/alternative-schweiz.htm

Tierschutz ist in der Verfassung verankert!

Jäger handeln nach der grundsätzlichen Annahme jedes Tier für sich nutzen zu dürfen, 

Tierschutz ist ein Staatsziel im Verfassungsrang – der Schutz der Tiere ist daher ein sehr hohes Rechtsgut. Das erklärte Ziel des Tierschutzgesetzes ist der Schutz des Lebens und des Wohlbefindens der Tiere aus der besonderen Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf. Demnach ist es verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.

Wenn die Jagd durch ein ökologisch und tierrechtlich vertretbares Wildtiermanagement ersetzt werden kann, muss dies entsprechend der Verfassung geschehen. Politik muss wissenschaftlichen, ökologischen und ethischen Kriterien folgen.  Der Schutz der Tierarten und die Wiederherstellung der ökologischen Vielfalt muss oberste Priorität haben. 

Die Frage, inwieweit bzw. ob überhaupt die Jagd nach aktueller Sicht ethisch rechtfertigbar

ist, hat sich auch der Schweizer Philosoph Markus Wild gestellt (WILD, 2015): Zitat: “Man sollte dem Tier unnötiges Leid ersparen. Wir verstehen, dass Tiere Schmerzen empfinden können. Wir verletzen das Interesse eines Tieres, wenn wir ihm unnötig Schmerz zufügen und wir nehmen dem Tier das Leben weg.Wenn wir das Tier erschießen, verstoßen wir gegen das Interesse des Tieres zu leben.”

In der heutigen Zeit ist die Jagd zur eigenen Versorgung  nicht notwendig. Jagd als Hobby, Trophäenjagd und Jagdtourismus  sind unmoralisch. Es gibt Alternativen seine Freizeit zu gestalten und Natur zu erleben. Die einzige Rechtfertigung ein Tier zu töten ist zum Wohl des Tieres, wenn dieses nach einem Unglück schwer verletzt ist, aus Notwehr oder um die Integrität eines Ökosystems zu wahren.

Verwendete Literatur: Wild, M. (2015): Wem wird die Waidgerechtigkeit gerecht? Schweizer Tierschutz STS,

3. Wildtiertagung. Braucht es die Jagd? Olten, 12. Februar 2015,

Tagungsband

Internationale Tagung am 12. November 2015 mit Prof. Dr. Rudolf Winkelmayer. Ab Seite 23. “Steht die Jagd vor einem Paradigmenwechsel?”

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